Akademische Titel machen Leute!

Da war das lic.rer.pol noch da... (Kur nach der Affäre Guttenberg war der Titel jedoch weg)

Karl Theodor zu Guttenberg schummelte sich zum Doktor und büsste dies mit dem (vorläufigen) Ende seiner politischen Karriere. Urs Wollenmann (SVP Luzern) nannte sich lic.rer.pol und… reichte den Rücktritt auch umgehend ein. Fein ausgedrückt könnte man sagen: Die Indizien gegen Wollenmann sind erdrückend, die Unschuldsvermutung gilt (theoretisch). Auch wenn Wollenmann es unterlassen hat, auf Aufforderung der Medien seine Diplome vorzulegen…

  • Was treibt einen Politiker einer Volkspartei dazu, sich mit falschen Federn zu schmücken?
  • Gewinnt man mit einem akademischen Titel Wahlen?

Recherchen des Tagesanzeigers (Bericht hier erhältlich) ergaben folgendes:

An der Basler Universität, wo Urs Wollenmann gemäss zuverlässigen Quellen studiert haben will, weiss man von einem Studenten dieses Namens nichts. Dass er den Abschluss lic. rer. pol. in Basel erworben hat, schliesst die Universität aus.

Wollenmann galt in der Stadt Luzern als Politiker der harten Sorte, reichte gegen den ehemaligen Littauer Gemeinderat Strafanzeige ein und verstand es immer wieder gegen noch so kleine Bagatellen aus Prinzip vorzugehen. Dies ist natürlich politisch absolut legitim, problematisch wird es jedoch, wenn die persönliche Integrität nicht vorhanden ist. Ueli Maurer sagte nach seiner Bundesratswahl (ich war persönlich im Fernsehstudio dabei) auf die Frage ob er als einziger nicht-Akademiker im Bundesrat bestehen könne, dass er diese Frage als grosses Kompliment werte. Eine Aussage welche weit besser zur SVP passt als das Vorgehen von Urs Wollenmann.

Nicht nur der Gemeinderat Littau wurde mit Wollenmann konfrontiert. Auch ich hatte die Ehre von (damals noch mit lic.rer.pol) Urs Wollenmann als inkompetent bezeichnet zu werden. Dies im Rahmen der Abstimmung um ein abbruchreifes Haus in der Stadt Luzern, welches für 3 Mio. hätte wiederaufgebaut werden sollen. Herr Wollenmann welcher stets für tiefere Steuern wirbt, wurde inkonsequent und setzte sich für den Wiederaufbau ein. Herr Zeier welcher konsequent war gewann die Abstimmung allerdings, das Haus ist seit dem heutigen Tag komplett abgerissen.

...kaum flog die Affäre Guttenberg auf war der Titel weg!

Spannend an der ganzen Sache ist das XING-Profil von Herrn Wollenmann:


Da besteht der Titel noch (Stand 12.04.2011) - Eine weitere Kontrolle wird in den nächsten Tagen von LiberalBlog.ch vorgenommen.

 

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Comments
3 Responses to “Akademische Titel machen Leute!”
  1. Meier Pirmin sagt:

    Die Blogsite von Maurus Zeier ist ein interessantes Exemplar eines neuen Mediums, das der Verfasser kompetent und unterhalsam zu bedienen weiss. Eine originelle und eigenständige, manchmal erfrischend unausgewogene liberale Stimme darf sich heute Gehör verschaffen. Im Zusammenhang mit Wollenmann spürt man eine Genugtuung, weil dieser sich offenbar einmal ätzend geäussert hat, da ist Schadenfreude Sirup. Vor Jahresfrist lernte ich W. bei einem Referat als durchaus kompetenten Hörer und Diskussionsteilnehmer kennen. Auch stimmt es nicht, dass er beim Badener Tagblatt, dessen Mitarbeiter ich als ehemaliger Redaktor im Aargau gut kenne, eine Null gewesen wäre. Aber W. hat offenbar im Internet für eine kurze Zeit einen falschen Titel geführt, übrigens in der Meinung, in Deutschland einen gleichwertigen übernommen zu haben, was natürlich in solchen Fragen nicht angeht. Aber immerhin: als “Skandal!” gerufen wurde, war mindestens die Homepage korrigiert. Im geschäftlichen Verkehr bleibt es nichtsdestoweniger fragwürdig, Titel zu „interpretieren“. Insofern ist der Rüffel von seinen Parteioberen sehr erklärbar. Allerdings fällt auf, dass W. im Gegensatz zu Guttenberg trotz noch vermeintlich rechtzeitger Beseitigung einer als Hochstapelei interpretierbaren Titulatur von seinen Parteioberen, einschliesslich NR Kunz, wie eine heisse Kartoffel fallen gelassen wurde. Politischer Hintergrund könnte noch eine gewisse Nähe oder wenigstens nicht Gegnerschaft zu einem Gesellschaftspolitiker sein, der SVP-Unperson René Kuhn, der dem Vernehmen nach mittlerweile 4000 Interessenten gefunden hat für seinen Kampf um Männerrechte. Dass er beim Beginn dieses Kampfes sich so benommen hat wie seinerzeit Alice Schwarzer, nämlich provokativ und mit fragwürdiger polemischer Wortwahl, kann beim totalen Fehlen eines Männerbonus für solche Sachen natürlich kaum entschuldigt werden. Trotzdem geht von Kuhn die de facto wichtigste gesellschaftspolitische Initiative der letzten zwei Jahre aus, nämlich endlich ein deutlicher Startschuss im Kampf gegen Unrecht im Zusammenhang mit einer einseitigen Gender-Politik, deren Spesen Buben, Männer, Väter tragen müssen. Wehleidigkeit ist zwar nicht am Platz, falsche Polemik auch nicht (wiewohl ohne politische Unkorrektheit niemand René Kuhn kennen würde!); hingegen ist es höchste Zeit für ein Neuaufrollen der Geschlechterdiskussion. Die Männerproblematik in der heutigen Diskussion um gesellschaftspolitische Fragen ist umso aktueller, als mindestens bei der jüngeren Generation sich die Situation der Benachteiligungen massiv zuungunsten des männlichen Teils der Bevölkerung verschoben zu haben scheint. Was ist eigentlich mit den Männern los? könnte man fragen. Offene gesellschaftspolitische Diskussionen werden jedoch weder bei der SVP noch generell bei den bürgerlichen Parteien geführt, zu schweigen von den Parteien, bei denen Feminismus Pflicht und Programm ist. Nicht nur für Herrn W. könnte es interessanter sein, sich statt im Parlament wieder în ein gesellschaftspolitisches Forum einzubringen, das wäre vielleicht sogar besser als in letzter Zeit ebenfalls kritisierte Russland-Connections.. Auf dem Gebiet der „Gender“-Problematik, die nicht einseitig auf Fraueninteressen fokussiert sein muss, könnte auch der Blog von Maurus Zeier seine liberale Linie fortführen. Die Problematik ist zu wichtig, als dass man sie Herrn Kuhn allein überlassen dürfte. Letzterer versucht immerhin am 25. Juni bei einer Tagung eine breite Diskussionen unter Fachleuten, auch Frauen, in Gang zu bringen. Dieses Engagement scheint mir wichtiger als vieles, was derzeit im Stadt- und Kantonsparlament läuft. Ein immer wichtigeres Mittel der demokratischen Diskussion wird heute, nicht nur in den arabischen Ländern, der Blog. Weiter so, Maurus Zeier, mit einem vorbehaltlos liberalen Blog! Dieser muss nicht immer ausgewogen sein! Die Polemiken der liberalen Vorkämpfer Troxler (1780 – 1866) und seines Schülers Jakob Robert Steiger (1805 – 1862), erster Grünliberaler der Schweizergeschichte, waren es auch nicht.

  2. Meier Pirmin sagt:

    Nachtrag: 2 Korrekturen

    Die Blogside von Maurus Zeier ist natürlich nicht “unterhalsam”, sondern “unterhaltsam”, und aus dem Xing-Profil von U.W. ist alles Umstrittene gelöscht, so dass man den von den politischen Aemtern zurückgetretenen Mitbürger mit Verdiensten um öffentliches Engagement insofern nicht mehr als öffentliche Person betrachten und insoweit in Ruhe lassen darf. Es ist U.W. zu wünschen, dass er mit seinen beruflichen Aktivitäten Tritt zu fassen vermag. Die von mir angedeutete Gender-Diskussion, noch wichtiger wohl, wenn man an den Niedergang des Freisinns denkt, die Liberalismus-Diskussion, sollte mit einer neuen Thematik und einer neuen Seite abermals aufgegriffen werden. Meine Absicht war, einen konstruktiven Beitrag zu leisten. Fehler sind zu kritisieren, menschliche Fertigmacherei aber ist zu verabscheuen. Und noch etwas: Man muss politisch, besonders gesellschaftspolitisch, eine positive Streitkultur entwickeln.

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