Parteifrei.ch | Kaufen Sie die Katze im Sack!
Ich bin parteifrei.ch, fühle mich frei, trete keiner Partei bei, mache Politik und stelle mich zur Wahl… Der neuste Auswuchs des Schweizer Parteigründungstrends heisst parteilos.ch und ist eine Plattform, welche Personen zur Wahl stellt, welche keiner Partei beitreten wollen. Schaut man hinter die Kulissen sucht man vergeblich politische Inhalte. Werden wir konkreter:
Die Kandidatur auf einer Liste von parteifrei.ch erfordert keine Mitgliedschaft beim Trägerverein der Plattform, aber die Unterzeichnung einer Charta. Diese Charta erreicht man hier.
Da verständlicherweise von Seiten parteifrei.ch nichts Politisches zu finden ist, bleibt der Blick auf deren Aushängeschilder:
Lukas Harder / Co-Präsidium
Als eigentliches Aushängeschild von parteilos.ch hat sich Lukas Harder medial positioniert. “Ich bin parteilos.ch” steht auf dem T-Shirt seines Facebook-Profilbildes. Spannend wird der Besuch seines Profils auf Politnetz.ch, denn klickt man da auf “Website” landet man auf einer Website, welche das Sammeln von Unterschriften anbietet. Klickt man auf “Blog” landet man auf der gleichen Seite. Politische Inhalte finden sich in der Atomdiskussion und der Parteispenden-Initiative, welche Harder unterstützt. Eine Initiative, über welche auf LiberalBlog.ch noch diverses publiziert werden wird.
Christoph Pfluger / Sprecher und Protokoll
Als Referenzwebsite gibt Christoph Pfluger zeitpunkt.ch an und liest man da über den Zeitpunkt, dann erscheint mitunter folgender Leitsatz:
- Wir sind überzeugt, dass die Destabilisierung der Welt, die wir gegenwärtig erfahren, zu einer Befreiung der konstruktiven Kräfte genutzt werden kann. (zeitpunkt.ch | Referenzwebsite Christoph Pfluger)
Titus Sprenger / Co-Präsidium
Titus Sprenger unterhält gleich einen eigenen (ansprechenden) Blog. Folgende Aussagen fielen auf…
- Der Nationalrat hat den Ausstieg aus der Atomenergie beschlossen. Eine Mehrheit des Nationalrats hat aber auch einem Vorstoss zugestimmt, wonach das Verbandsbescherderecht für Umweltverbände bei Energieprojekten einzuschränken sei. Damit wird quasi das Tafelsilber der Schweiz verscherbelt: Unsere so attraktiven Landschaften. (Artikel von Titus Sprenger)
- Es bringt wenig, wenn nur die Schweiz ihre AKWs auslaufen lassen will. Wichtig wäre es darum, dass auch rund um die Schweiz keine AKWs mehr betrieben würden. (Artikel von Titus Sprenger)
Politische Inhalte über die führenden Mitglieder von parteifrei.ch lassen sich also kaum finden und meine These zu parteilosen Politikerinnen und Politikern bewahrheitet sich einmal mehr. Mit Parteilosen Personen kauft man die Katze im Sack, denn die Kontrolle durch die eigene Partei (mit Grundrichtung) fehlt gänzlich. In meinem Artikel zu den Luzerner Regierungsratswahlen habe ich dieselbe Problematik der Parteilosen bereits angesprochen.
Etwas hat parteilos.ch bereits erreicht und damit einen Trend fortgesetzt. Sie leisten einen Beitrag zur weiteren Verzettelung der Schweizer Politlandschaft und machen damit den Wählern das Leben schwer. Denn während in der Vergangenheit gestandene politische Parteien gewählt werden konnten, ist es durchaus möglich, dass die Partei welche ich heute wähle, morgen nicht mehr existiert…
Comments
7 Responses to “Parteifrei.ch | Kaufen Sie die Katze im Sack!”Trackbacks
Schau nach, was andere sagen ...-
[...] Parteifrei.ch | Kaufen Sie die Katze im Sack! [...]

Um es kurz zu sagen: Nicht nur in der Marktwirtschaft belebt Konkurrenz, das Geschäft. Das ist dem Autor sicher auch bekannt denn er hat das schon zu genüge gepredigt. Es kann auch schlechtes Licht auf eine Partei werfen wenn ihre Exponenten mit unnötiger “Kampfpropaganda” auf andere Parteien schiessen. Selbstvertrauen strahlt man anders aus!
LiberalBlog.ch ist zwar keine Partei aber besten Dank für den Kommentar =)
Bin mit L. Bruderer einverstanden: Selbstvertrauen strahlt man anders aus!
Einige Anmerkungen:
1. Wenn auf parteifrei.ch politische Inhalte zu finden wäre, wäre das Ziel deutlich verfehlt
2. Wieso erwähnen sie mit keinem Wort die Inhalte das wichtigste Dokument von parteifrei.ch, die Charta? Ist sehr interessant!
3. Die Links von Lukas Harder führen auf zwei verschiedene Seiten (wurde vielleicht geändert)
4. Parteifrei.ch ist ein Trägerverein zur Unterstützung von Parteifreien Politikern. Weshalb sollte der Vorstand dieses Vereins unbedingt politische Inhalte verbreiten (obwohl Lukas Haarder noch zu anderen Themen Stellung nimmt als zur Atomdiskussion und der Parteispenden-Initiative, siehe zum Beispiel FB-Pages).
5. Ist die Kontrolle durch die Partei gut oder schlecht? Da kann man unterschiedlicher Meinung sein. Ich bin aber froh, wenn es vermehrt freie Persönlichkeiten und nicht von Parteien kontrollierte Politiker gibt! (Das Problem dabei ist, dass mehr Macht auf wenigen Personen liegt (Parteiführung).)
6. Der letzte Satz lässt Zweifel aufkommen, ob die Idee von parteifrei.ch richtig verstanden wurde. Dieser Verein soll als Plattform für Parteilose Politiker dienen und ist nicht eine neue „Partei“. Und übrigens: neue Parteien entstehen meiner Meinung nach durch die Sture, nicht konsensfähigen Politik der sogenannten “gestandene politische Parteien.”
7. Zu guter Letzt finde ich die Überschrift überhaupt nicht passend. Die Homepage „Parteilos.ch“ gibt es ja gar nicht, zudem hat „Parteifrei“ eine ganz andere Message als „Parteilos“.
Vielen Dank für den Kommentar!
Zu den Punkten:
1. Dies habe ich auch so geschrieben und ist natürlich folgerichtig, dass keine politischen Inhalte zu finden sind.
2. Die Charta ist erwähnt und verlinkt, da diese jedoch enorm allgemein verfasst ist, erübrigen sich weitere Zeilen. Alle Leserinnen und Leser können die Charta per LiberalBlog aufrufen.
3. Das mit den Links wurde demzufolge geändert.
4. Parteifrei.ch gibt sich als Verein von politsch aktiven Personen, welche keiner Partei beitreten sollte. Logischerweise erwartet man von diesen Personen, dass sie über ein politisches Profil verfügen und zu diesem auch stehen.
5. Die Parteikontrolle ist insofern ein Erfolgsmodell, dass der Politiker sich an die Grundrichtung halten muss und bei groben Schnitzern (nicht primär politischer Natur) die Partei ebenfalls Schaden davon trägt. Dies ergibt ein gegenseitiges Interesse, dass man das Beste für den Wählerwillen unternimmt.
6. Den Titel habe ich selbstverständlich auf parteifrei.ch geändert, der war definitiv falsch!
Auf Gemeindeebene sind um die 50 Prozent der Exekutivpolitiker ohne Partei – und das funktioniert äusserst gut. Die pauschale Aussage, mit Parteilosen würde man die Katze im Sack kaufen, würde demnach bedeuten, dass man in den Gemeinden viel Miauen von freheitsliebenden Katzen und Kater hören müsste…
parteifrei.ch will im Wesentlichen Parteilose dort zu unterstützen versuchen, wo Parteigebundene auf ihre Partei zurückgreifen können. Die politischen Inhalte sind Angelegenheit der Kandidierenden. Wer diese Unterstützung in Frage stellt, sollte fairerweise auch die Unterstützung der Parteigebundenen durch ihre Parteien in Frage stellen.
Unsere Werte, welche wir voraussetzen, sind übrigens urliberal und stammen aus der Bundesverfassung. Sie wieder einmal in den Vordergrund zu rücken täte unserem Bundesstaat zu – statt dass jede Partei neu definiert, was “typisch schweizerisch” sei.
Übrigens, auch liberal denkende, parteifreie Menschen sind bei uns herzlich willkommen. Wer mehr dazu erfahren möchte, darf gerne an einer der kommenden Info-Veranstaltungen teilnehmen:
http://www.parteifrei.ch/startseite/informationsveranstaltungen/
Parteilos funktioniert solange, wie die Leute im Wahlkreis ausreichend bekannt sind. So geht das zB in lokalen Gemeinden gut; dort werden die parteilosen meist aus gutem Grund gewählt. Oder bei Majorzwahlen, wo nur zwischen wenigen Personen auszuwählen ist.
Schwierig wird es, wenn unbekannte oder viele Personen unterstützt werden sollen (behaupte, dass das bei Proporzwahlen schon ab Bezirksgrösse der Fall ist). Wer wirft schon eine Liste ein, bei der er keine Ahnung hat, für welche Themen die Leute stehen ( “ich wähle aus Prinzip parteilos, auch wenn ich nicht weiss wofür die Person steht”).
Hier helfen Parteien, zumindest eine politische Stossrichtung der Kandidaten anzunehmen. Und wenn sich die Person schon mit einzelnen Köpfen auseinandersetzt (was bei parteilosen per Definition der Fall sein sollte), dann wird sie auch bereit sein, Leute mit Parteihintergrund zu wählen.