Verzerrte Realität | Die 1:12-Initiative der JUSO


Die 1:12-Initiative der Jungsozialisten fordert eine maximale unternehmensinterne Lohnschere von 1:12. Betrachtet man jene Unternehmen, welche am weitesten von dieser Spannweite entfernt sind und vergleicht diese mit der Hitliste der beliebtesten Arbeitgeber, offenbart sich das verzerrte Realitätsbild der JUSO.

Schauen wir uns zuerst die beliebtesten Schweizer Unternehmungen im Jahr 2010 an:

  1. Nestlé
  2. ABB (Top 1 Ingenieurwissenschaften)
  3. Credit Suisse
  4. Swatch Group
  5. Migros
  6. Swiss Air Lines
  7. UBS
  8. Roche
  9. Lindt & Sprüngli
  10. Novartis

Zur Evaluierung dieses Rankings wurden 3’200 Berufstätige mit akademischem Hintergrund befragt. Natürlich wäre auch ein Ranking mit sämtlichen Berufsschichten spannend, jedoch nicht nur schwer zu bewerten sondern schlicht und einfach nicht vorhanden.

Vergleicht man das Ranking nach Beliebtheit nun mit dem Ranking nach Lohnscheren innerhalb des Unternehmens zeigt sich folgendes Bild:

  1. Novartis 1:720
  2. Credit Suisse 1:434
  3. ABB 1:427
  4. Nestlé 1:304
  5. Roche 1:272
  6. Swatch 1:122
  7. Lindt & Sprüngli 1:204
  8. UBS 1:38
  9. Migros 1:14

Einzig die Swiss Air Lines sind in der Blacklist der JUSO nicht aufgeführt.

Nicht nur dass die Initiative problemlos umgangen werden kann, Tatsache ist auch, dass das vielbesagte schlechte Klima durch hohe Lohnscheren schlicht und einfach inexistent ist. Eher lässt sich vermuten, dass tendenziell grössere Lohnscheren auch für die tieferen Gehälter attraktive Effekte haben. Betrachten wir die Löhne einer KV-Ausbildung zeigt sich, dass bereits dort die Lernenden von UBS und Credit Suisse mehr verdienen als ihre Kollegen aus anderen Branchen…

Die Schweiz braucht keine weitere Regulierung diesbezüglich. Vielmehr sollte der Ansatz sein, dass keine private Unternehmung systemrelevant ist und sämtliche Unternehmen im Fall der Fälle Konkurs gehen könnten!

4 Kommentare zu “Verzerrte Realität | Die 1:12-Initiative der JUSO

  1. Da ich ja nun der Rekordkommentierer bin, auch hierzu meine Meinung:
    Was hat die Beliebtheitsskala (da geht es wohl um die Produkte und oder die wirtschaftliche Leistungsfähigkeit) mit der Lohnschere zu tun? Was ist das genau das Argument?
    Meiner Meinung nach kann ein Unternehmen gerne die Löhne zahlen, die es will – so lange es auch die Konsequenzen für sein Handeln übernimmt und so lange die tiefsten Löhne ein würdiges Leben ermöglichen. Letztlich ist die 1:12-Initiative meiner Meinung nach aber wirtschaftsfreundlich: Hohe Löhne haben überhaupt keine Funktion. Die Aussage, Kaderpositionen seien nur deshalb attraktiv, wenn die Gehälter eine gewisse Grenze überschreiten, halte ich für absolut falsch. Es gäbe genügend fähige Managerinnen und Manager, welche auch für 600’000 arbeiten würden… 

    • Zum Rekordkommentierer nochmals herzliche Gratulation von meiner Seite 🙂 Die Beliebtheitsskala hat mit der Höhe der Löhne grundsätzliche nichts zu tun, da gebe ich dir Recht. Jedoch sagt sie etwas darüber aus, wo es für Arbeitnehmer attraktiv zu sein scheint. Und gerade die JUSO als Vertreterin der Arbeitnehmer müsste doch genau da ansetzen. Grundsätzlich, das habe ich auch so beschrieben, muss das Ziel sein dass keine Unternehmung too big to fail ist. Bei den Löhnen anzugreifen, da bleibe ich dabei, ist aus meiner Sicht nicht nur eine Scheinproblematik sondern primär Neid und Missgunst.

      • Es sind die beliebtesten Arbeitgeber für AkademikerInnen – also für die Gutverdienenden… http://www.tagesanzeiger.ch/wirtschaft/unternehmen-und-konjunktur/Die-beliebtesten-Arbeitgeber/story/12359850
        Tiefe Löhne sind keine Scheinproblematik. Armut ist in der Schweiz real. Also ganz konkret: Was würdest du für Massnahmen dafür vorschlagen, dass sich die Situation von armen Menschen und Familien in der Schweiz bessert?

        • Erste wichtige Voraussetzung sind Anreize um zu arbeiten, respektive muss Arbeit attraktiv sein. Die Sozialhilfe darf nicht in ein Verhältnis zu den tiefen Löhnen geraten, in welchem sich Arbeiten nicht mehr lohnt. Zweitens sollte man die Akademisierung gewisser Berufsgruppen rückgängig machen. Denn diese Entwicklung hat nicht nur eine grössere Theorielast auf Kosten der Praxis zur Folge sondern setzt den Anreiz auf Biegen und Brechen eine Gymnasialausbildung zu erreichen, da man andernorts immer weniger Perspektiven hat. Damit werden die „normalen“ Berufe nicht nur abgewertet sondern es entsteht ein Mangel, respektive wird das Bedürfnis entweder durch ausländische Arbeitskräfte oder schlecht bis nicht ausgebildete Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer gedeckt, was wiederum die Löhne senkt. Ebenfalls sehe ich die WorkingPoors als Problem, denn es kann nicht sein dass eine 100% Tätigkeit den Bezug von Sozialhilfe voraussetzt um über die Runden zu kommen. Ist nicht die grosse Masse aber dennoch nicht zu vernachlässigen.

          Falls du mit deiner Frage das garantierte Grundeinkommen ansprechen wolltest: Die Idee ist aus liberaler Sicht sehr spannend, da Bürokratie abgebaut werden kann und mit relativ einfachen Mitteln, die ganzen Sozialhilfeapparate relativ einfach gespaart werden können. Jedoch bezweifle ich den Erfolg respektive die Durchsetzbarkeit. Was macht der Staat mit jenen, welche am 2. des Monats ihr Grundeinkommen nicht mehr haben?

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