Hauptsache „Occupy“


Während „Occupy Wallstreet“ aufgrund anderer politischer Einflussmöglichkeiten noch nachvollziehbar ist, sind deren NachahmungstäterInnen in der Schweiz auf dem Holzweg. Den einen Samstag gegen die Banken kämpfen, den anderen Samstag auf dem Paradeplatz grillieren und am dritten Wochenende bei Daniel Vasella vor der Villa. Hauptsache „Occupy“ eben…

Die Bewegung „Occupy Paradeplatz“ hat einen beachtlichen (medialen) Leistungsausweis, denn bereits war sie Thema der Sendung Club des Schweizer Fernsehens (und dies nach 10-tägiger Existenz). Jedoch hat die Bewegung einen fundamentalen Mangel, sie ist am falschen Ort.Wie Thomas Matter (Bankier) richtig bemängelte, sollte die Bewegung eher vor den Toren der EU stattfinden, als auf dem Zürcher Paradeplatz. Denn die aktuelle Krise ist eine Krise der verschuldeten Staaten, welche über ihren Verhältnissen gelebt haben und nach wie vor leben.

Obschon illegal wird die Besetzung des Zürcher Lindenhofs von den Behörden geduldet und ein öffentlicher Platz zum Camping-Platz umfunktioniert worden. Wochenende für Wochenende, so der Plan, soll demonstriert und wenn möglich der Zürcher Paradeplatz besetzt werden. Es sei denn, ein Ausflug steht an. So geplant am kommenden Wochenende, an welchem die Villa von Daniel Vasella (Verwaltungsratspräsident Novartis) zum Ziel der Idealisten werden soll. Der angekündigte Stellenabbau (richtig, in einer Wirtschaft werden nicht nur Stellen geschaffen) stösst den VerehrerInnen des Kommunismus sauer auf. Dass die Novartis eine private Unternehmung ist und einzig und allein den Aktionären der Novartis gehört, scheinen sie dabei (absichtlich) vergessen zu haben. Hauptsache „Occupy“ eben! 

Forderungen stehen bislang keine im Raum (aufgrund der kurzen Existenz auch verständlich) und es ist gut möglich, dass die Bewegung bereits an den kalten Novembernächten scheitert. Nicht weil die Welt so böse ist, wie allgemein behauptet wird, sondern weil für Anliegen dieser Art in der Schweiz nicht mal qualifizierte Minderheiten, geschweige denn Mehrheiten zu gewinnen sind. Denn die politischen Rechte der Schweiz erübrigen Protestaktionen dieser Art.

Nach der illegalen Besetzung steht dieses Wochenende der nächste Tiefpunkt der Bewegung an. Dann nämlich, wenn private Schweizerinnen und Schweizer in ihrer persönlichen Freiheit eingeschränkt und zu Hause aufgesucht werden.

3 Kommentare zu “Hauptsache „Occupy“

  1. Über die Forderungen und Motive der Occupy-Bewegung scheinst du nicht sehr gut informiert zu sein. Lies doch die zwei letzten Ausgaben der WoZ, wenn dich das wirklich interessiert.
    Die Behauptung, alle Schuld für die verschiedenen Finanzkrisen lägen bei Aktionären und Staaten (also ihrer Bevölkerung), ist doch eher naiv. Haben die Aktionäre die Entlassungen beschlossen? Spekulieren die Staaten? Müssen Staaten Banken deswegen retten, weil Staaten Banken zu Spekulationen getrieben haben?
    Ich wünschte mir, dass jemand Verantwortung übernimmt, anstatt eine Protestbewegung zu verurteilen, welche sich gegen ein konkretes Problem einsetzt: Dass Banken ihre Kunden, Regierungsvertreter und Spekulationsobjekte wissentlich betrügen, ohne dafür je gerade stehen zu müssen.

  2. Wie bereits im Club auch schon erwähnt, sind die Leute schon am richtigen Ort, weil sie eben nicht irgendwelche Entscheide von Brüssel in jüngster Zeit kritisieren, sondern das Finanzsystem in seinen Grundfesten -ein System, welches in hunderten von Jahren organisch gewachsen ist und nun aufgrund des schnellen gesellschaftlichen Wandels nicht mehr zeitgemäss ist. Dass du dies als Liberaler (Seit 1848 eine staatstragende Partei nottabene) und Profiteur des Systems (Sind wir in der Schweiz grundsätzlich alle mehr oder weniger) nicht verstehst, verwundert mich nicht.

    Mich stört jedoch an den Kritikern, dass sie keine konkreten Forderungen aufstellen, und sich mit ihrem Gutmenschentum selbst im Weg stehen (o-Ton: Wir wollen jetzt zuerst mal ideen sammeln, und dann Basisdemokratisch darüber entscheiden…). Es gibt Forderungen, die man aufstellen könnte, und hinter denen JEDER der Occupy Bewegung stehen könnte. Solange sich jedoch keine politische Führung rauskristalisiert, wird es halt ein unorganisierter Haufen am Lindenplatz bleiben, der sich spätestens in ein paar Wochen wieder in die besetzten Villen am Zürichberg zurückzieht.

  3. Gerade die Schweiz braucht dringend eine nicht-xenophobe und nicht-leistungsfanatische Bewegung mehr als viele andere europäische Länder. Wer die Verbindung zwischen einer neoliberalen Politik und Fremdenangst nicht versteht muss noch Einiges lesen.
    Die Bewegung wuchert noch und klar, dass man noch nicht sagen kann wie fruchtbar das alles wird aber die Berechtigung ist da.

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